Ein paar der wichtigsten Daten, Fakten und Namen zur spannenden Geschichte der Tschechischen Republik.
Mittelalterliche Entwicklung
Bereits im Frühen Mittelalter existierten die beiden Landesteile Böhmen und Mähren unter der Herrschaft der Pøemysliden. Diese hatten die Vorherschaft übernommen, nachdem das „Großmährische Reich“ zusammengebrochen war. Der Pøemyslide Wenzel I. (Václav I., 921-929/35) stand am Anfang dieser Entwicklung und hat noch heute große Symbolkraft als tschechischer Landespatron. Seit dem 11. Jahrhundert gewann das Pøemyslidenreich durch die böhmische Königswürde eine Sonderstellung im Heiligen Römischen Reich. Zu dieser Zeit entstanden auch erste deutsche Siedlungsgebiete auf tschechischem Boden.
Mit dem bedeutendsten mittelalterlichen böhmischen König Karl IV. (Karel IV., 1316-1378), der 1355 zum römischen Kaiser gekrönt wurde, gewannen die böhmisch-europäischen Verflechtungen an Bedeutung. Wer Prag besucht, wird um diese Persönlichkeit nicht herum kommen, da er Prag zur Residenzstadt machte, die berühmte Karls-Universität (“Univerzita Karlova“) gründete und nicht zuletzt die Karlsbrücke erbauen ließ. Etwa zur selben Zeit forderte Johannes Hus (Jan Hus, 1370-1415), Führer der tschechischen kirchenpolitischen Reformbewegung, eine Erneuerung der katholischen Kirche und beeinflusste spätere reformatorische Bestrebungen wie z. B. die Martin Luthers.
(Jan Hus und Kostel sv. Mikuláše) Herrschaft der Habsburger in der Frühen Neuzeit
Der Dreißigjährige Krieg, der mit dem Prager Fenstersturz 1618 begann, endete mit der Etablierung der Habsburgische Herrschaft über die Länder der böhmischen Krone und bewirkte dort die Rekatholisierung. Der tschechische Geschichtsmythos sieht die glanzvolle mittelalterlichere Epoche, in welcher die Grundlagen für die Staatlichkeit und die geistigen Fundamente Tschechiens gelegt wurden, durch die entscheidende Schlacht am Weißen Berg (Bílá hora) bei Prag 1620 vernichtet.
Aber auch die nachfolgende Zeit brachte im Zeichen des aufgeklärten Absolutismus unter Maria Theresia (1717-1780) und Joseph II. (1741-1790) wichtige modernisierende Reformen mit sich. Die Festlegung des Deutschen als Amtssprache gab z. B. wichtige Impulse für die aufkommende Nationalbewegung im 19. Jahrhundert: Als Gegengewicht wurde die Modernisierung der eigenen Schriftsprache und landessprachlicher Schulunterricht gefordert. Nachdem anfangs namhafte Intellektuelle noch eine Gleichberechtigung beider Kulturen im Land gefordert haben, kann man um die Jahrhundertwende von einer kulturell und politisch gespaltenen Gesellschaft sprechen.
1. Tschechoslowakische Republik
In Folge der Niederlage der Habsburgermonarchie nach dem Ersten Weltkrieg wurde am 28. Oktober 1918 die unabhängige Tschechoslowakei gegründet bestehend aus Böhmen, Mähren und der Slowakei. Tomáš G. Masaryk (1850-1837) wurde erster Staatspräsident. Die erste tschechoslowakische Republik war ein modernes Gemeinwesen, das anders als viele seiner Nachbarn selbst in den Jahren der Wirtschaftskrise bis 1938 eine parlamentarische Demokratie blieb.
Die größte Quelle politischer Instabilität waren die Beziehungen zwischen den verschiedenen Nationalitäten: Die latente Skepsis besonders der Slowaken und Deutschen gegenüber der Staatsgründung von 1918 wurde durch die aggressiv expansionistische Außenpolitik des nationalsozialistischen Deutschlands verstärkt.
Durch das "Münchener Abkommen" von 1938 schließlich wurde die tschechoslowakische Republik zerschlagen. Während die Slowakei in die formale Unabhängigkeit entlassen wurde, geriet das „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ unter direkte deutsche Verwaltung.
"Protektorat Böhmen und Mähren"
In den folgenden Jahren kam es zu mehreren Widerstandsversuchen wie etwa das gelungene Attentat auf den Reichsprotektor Reinhard Heydrich 1942 (als Rache wurden 1357 Menschen hingerichtet und die zwei Orte Lidice und Ležáky komplett ausgelöscht). Angesichts der Übermacht der Besatzer wurden diese Widerstandsakte jedoch nicht von der gesamten Bevölkerung getragen. Erst der Prager Aufstand im Frühjahr 1945 mündete schließlich in die Befreiung des Landes. Insgesamt starben unter der deutschen Besatzung über 36.000 Tschechinnen und Tschechen.
Als Präsident der Exilregierung hatte Edvard Beneš schon während des Krieges eine Annäherung an die Sowjetunion als zukünftige Schutzmacht der Tschechoslowakei versucht. Beide hatten sich auf ein gemeinsames Regierungsprogramm geeinigt, das am 4. April in Košice (Kaschau) verkündet wurde. Beneš regierte in den ersten Monaten durch Verordnungen, die sogenannten "Beneš-Dekrete", die neben gewöhnlichen Verwaltungsangelegenheiten auch die Bestrafung, Vermögensenteignung und Ausbürgerung von Deutschen und Ungarn regelten.
Ca. 3 Mio. Deutsche wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und ca. 30.000 kamen dabei ums Leben. Die Rechtmäßigkeit der Beneš-Dekrete löst auch heute noch völkerrechtliche und politische Diskussionen aus.
Kommunistische Herrschaft
Nach Kriegsende erreichte die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei unter Klement Gottwald bald eine führende Stellung und im Februar 1948 fand die vollständige Machtübernahme durch die Kommunisten (KSÈ) statt. Alle gesellschaftlichen Bereiche wurden nach dem Muster der Sowjetunion umgestaltet, die Landwirtschaft kollektiviert und die Industrialisierung forciert. Mit Alexander Dubèek als Vorsitzender der KSÈ begann sich die Tschechoslowakei aus dem Machtbereich der SU zu lösen. Dieser Prozess fand jedoch durch den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im sogenannten "Prager Frühling" 1968 ein gewaltsames Ende.
Es folgte die "Normalisierungs"-Phase, eine Zeit massiver Repressionen, in welcher viele Intellektuelle das Land verließen. (Václav Havel 2004, Beitritt zur EU) Mit der "Charta 77"-Bewegung (nach ihrem Entstehungsjahr 1977 benannt) kam eineDissidentenbewegung auf, die sich als Vertretung des gesellschaftlichen Dissenses verstand. Ihre prominenteste Figur war Václav Havel, erster Staatspräsident der neuen Tschechoslowakischen Republik nach 1989.
1989
Der Zerfall der kommunistischen Regime in Polen und Ungarn, vor allem aber die Revolution in der DDR lösten im Herbst 1989 massive Demonstrationen in der ÈSSR aus (Samtene Revolution = sametová revoluce), die schließlich ein Ende der kommunistischen Herrschaft herbeiführten.
1992/93 In den Jahren nach 1989 wurden die Konflikte zwischen dem tschechischen und dem slowakischen Teil der neu gegründeten Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik (ÈSFR) immer deutlicher. Unterschiedliche Vorstellungen und Interessen bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung beider Regionen und der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit innerhalb der Slowakei führten im Jahre 1992 zu einer Trennung in zwei unabhängige Staaten:
Flagge der Tschechischen Republik Flagge der Slowakischen Republik
Die Wahlen zum tschechischen Präsidenten im Juni 1990 gewann Václav Havel und erst im Jahr 2003 wurde er von Václav Klaus abgelöst. Die Ereignisse von 1992/93 gelten als Musterbeispiel einer erfolgreichen Staatenteilung in einer relativ kurzen Zeit, ohne militärische Auseinandersetzungen. Und auch danach pflegen Tschechien und die Slowakei einen sehr engen wirtschaftlichen, politischen, aber auch kulturellen Austausch.
Transformationsphase und der Weg in die Europäische Union Die größte Herausforderung nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft war jedoch die Transformation des Einparteiensystems mit einer nach sozialistischem Vorbild geführten Wirtschaft in das einer pluralistischen Demokratie mit einer am Westen orientierten kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Die ersten Jahre der jungen Republik wurden vor allem durch die liberalen Ansichten von Ministerpräsident Václav Klaus geprägt. Seine 1991 gegründete Partei ODS (Demokratische Bürgerpartei) gewann die Wahlen zum tschechischen Parlament im Jahr 1993 und wurde 1996 wiedergewählt. Bereits ein Jahr später jedoch mussten Neuwahlen angesetzt werden, da die Partei durch eine Wirtschaftskrise im Land und eine Spendenaffäre schwer in die Kritik geraten war. Sie wurde durch eine sozialdemokratische Regierung abgelöst. (DasLogo der tschechischen EU Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2009) Während die formalen politischen und wirtschaftlichen Änderungen, wie die Einführung einer Verfassung und die Privatisierung des staatlichen Eigentums (auch „Kuponprivatisierung“ genannt) in relativ kurzer Zeit umgesetzt wurden, waren es vor allem die tieferen Veränderungen in der Gesellschaft des Landes, die sich nicht so ohne weiteres wieder rückgängig machen ließen. Aber trotz einiger Regierungsrücktritte und politischer Skandale in den vergangenen Jahren, ist die Tschechische Republik eines der stabilsten post-sozialistischen Länder. Dies ermöglichte auch den Beitritt in die NATO im Jahr 1999, sowie den Beitritt in die Europäische Union im Jahr 2004. Die Einbindung in westliche Bündnisse war eines der wichtigsten Ziele Tschechiens nach 1989.
Der Weg in die EU bedeutete neben der eigentlichen Transformation eine zusätzliche Belastung für den Staat. Und viele Kritiker mein(t)en, dass die Erfüllung der Voraussetzungen für einen Beitritt, unter anderem festgelegt in den „Kopenhagener Kriterien“, zunächst von wichtigen gesellschaftspolitischen Reformen ablenkte. Längerfristig bietet die Mitgliedschaft jedoch viele Chancen und kann nicht nur die politische Konsolidierung des Landes unterstützen. Beziehungen zu Deutschland
Aufgrund der schwierigen Vergangenheit zwischen Deutschland und seinem östlichen Nachbarn war und ist es vor allem wichtig, diese gemeinsam aufzuarbeiten, um eine gute und enge Nachbarschaft zwischen der Tschechischen Republik und Deutschland zu garantieren. Ein erster Schritt war der Vertrag zwischen der BRD und der ÈSFR im Jahr 1992. In ihm wurde eine ausgeprägte Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher, politischer und kultureller Ebene vereinbart – „in der Überzeugung, dass der jungen Generation bei der Neugestaltung der Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen ihren Völkern eine besondere Rolle zukommt."
Ein nächster Schritt war, nach längeren Verhandlungen, die Deutsch-Tschechische Erklärung von 1997. Sie betonte noch einmal die Wichtigkeit der gemeinsamen Aufarbeitung der Vergangenheit beider Länder, wollte jedoch vor allem wichtige Impulse für die Zukunft setzen, zum Beispiel durch die Gründung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.